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BERKELEY
LIBRARY UNIVERSITY or CALIFORNIA
Die Kuppel
Die Kuppel
Von
Elſe Lasker⸗Schüler
* * Der Gedichte zweiter Teil
* *
Mit einer Einbandzeihnung der Derfaffertn
Verlegt bei Paul Eaffirer in Berlin 1920
Alle Nechte vorbehalten Copyright 1920 by Paul Cassirer, Berlin
LOAN SAN -
&
Gedruckt bei Poeſchel D Trepte in Leipzig
PT2623 La 76 KT
Die Gedichte ſchenke ich meiner teuren Mutter und ihrem Enkel Paul
*
8. 859
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Mein Lied
Schlafend fällt das nächtliche Laub, O, du ſtiller dunkelſter Wald
Kommt das Licht mit dem Himmel, Wee ſoll ich wach werden?
Überall wo ich gehe,
Rauſcht ein dunkler Wald;
Und bin doch dein fpielender Herzſchelm, Erde, Denn mein Herz murmelt das Lied Moos alter Bäche der Wälder.
Georg Trakl
Georg Trakl erlag im Krieg von eigener Hand
gefällt. So einſam war es in der Welt. Ich hatt ihn lieb.
Georg Trakl
Seine Augen ſtanden ganz fern. Er war als Knabe einmal ſchon im Himmel.
Darum kamen ſeine Worte hervor Auf blauen und auf weißen Wolken.
Wir ſtritten über Religion, Aber immer wie zwei Spielgefährten,
Und bereiteten Gott von Mund zu Mund. Im Anfang war das Wort.
Des Dichters Herz, eine feſte Burg, Seine Gedichte: Singende Theſen.
Er war wohl Martin Luther.
Seine dreifaltige Seele trug er in der Hand, Als er in den heiligen Krieg zog.
— Dann wußte ich, er war geſtorben —
Sein Schatten weilte unbegreiflich Auf dem Abend meines Zimmers.
Paul Leppin
Der König von Böhmen
Schenkte mir ſeine Dichtung Daniel Jeſus.
Ich ſchlug fie auf und las: Der lieben, lieben, lieben, lieben Prinzeſſin.
Ich ſchrieb ihm auf einen himmelblauen
Bogen: Süßer Daniel Jeſus Paul.
10
Dem Daniel Jefus Baul Du es ft Nacht — Wir wollen unſere Sehnſucht teilen, Und in die Goldgebilde blicken. 5
Vor meinem Herzen figt immer eine Tote Und bettelt um Almoſen.
Und ſummt meine Lieder Schon einen weißgewordenen Sommer lang.
Uber den Grabweg hinweg Wollen wir uns lieben,
Tollkühne Knaben, Könige, die ſich nur mit dem Szepter berühren!
Frage nicht — ich lauſche Deiner Augen Raufhehonig.
Die Nacht iſt eine weiche Rofe Wir wollen uns in ihren Kelch legen,
Immer ferner verſinken, Ich bin müde vom Tod!
1
Dem König von Böhmen
Ich frage nicht mehr = Ich weiß wer auf den Sternen wohnte
Mein Herz finft tief in die Nacht. So ſterben Liebende Immer an zärtlichen Himmeln vorbei,
Und atmen wieder dem Morgen entgegen Auf frühleifen Schweben. Ich aber wandele mit den heimkehrenden Sternen.
Und ich habe viele ſchlafende Knoſpen ausgeloſcht, Will ihr Sterben nicht ſehn, Wenn die Rofenhimmel tanzen.
Aus dem Gold meiner Stirne leuchtet der Smaragd,
Der den Sommer färbt.
Ich bin eine Prinzeſſin.
Mein Herz ſinkt tief in die Nacht An Liebende vorbei.
12
Winternacht Cellolted)
Ich ſchlafe tief in ſtarrer Winternacht,
Mir iſt, ich lieg in Grabesnacht,
Als ob ich ſpät um Mitternacht geſtorben ſei Und ſchon ein Sternenleben tot.
Zu meinem Kinde zog mein Glück Und alles Leiden in das Leid zurück. Nur meine Sehnſucht ſucht ſich heim Und zuckt wie zähes Leben
Und ftirbt.
Ich ſchlafe tief in ftarrer Winternacht, Mir iſt, ich lieg in Grabesnacht.
13
Frühling
Wir wollen wie der Mondenſchein Die ftille Frühlingsnacht durchwachen, Wir wollen wie zwei Kinder fein.
Du hüllſt mich in dein Leben ein
Und lehrſt mich ſo wie du zu lachen.
Ich fehnte mich nach Mutterlieb
Und Vaterwort und Frühlingsſpielen, Den Fluch, der mich durchs Leben trieb, Begann ich, da er bei mir blieb,
Wie einen treuen Feind zu lieben.
Nun blühn die Bäume ſeidenfein Und Liebe duftet von den Zweigen. Du mußt mir Mutter und Vater ſein Und Frühlingsſpiel und Schätzelein Und ganz mein eigen.
14
Abend
Es riß mein Lachen ſich aus mir,
Mein Lachen mit den Kinderaugen,
Mein junges, ſpringendes Lachen
Singt Tag der dunklen Nacht vor deiner Tür.
Es kehrte aus mir ein in dir
Zur Luft dein Trübftes zu entfachen — Nur lächelt es wie Greiſenlachen
Und leidet Jugendnot.
15
Sein Blut
Am liebſten pflüdte er meines Glückes Letzte Rofe im Malen
Und würfe fie in den Rinnftein.
Sein Blut plagt ihn.
Am liebſten lockte er meiner Seele Zitternden Sonnenſtrahl In feine düſtre Nächte qual.
Am liebſten griff er mein ſpielendes Herz Aus wiegendem Lenzhauch
Und hing es auf wo an einem Dornſtrauch . Sein Blut plagt ihn.
16
Selbftmord
Wilde Fratzen ſchneidet der Mond in den Sumpf Es kreiſen alle Welten dumpf, Hätt ich erſt dieſe überftanden!
Mein Herz, ein Skarabäenſtein, Blüht bunter Mai aus meinem Gebein Und Meere rauſchen durch Guirlanden.
Ich wollt, ich wär eine Katz geworden, Der Kater ſchleicht ſie luſtzumorden Im vollmondblutenden Abendſchein.
Wie die Nacht voll grauſamer Sehnſucht keimt — Sie hat in mir oft zart geträumt Und iſt entftellt zur Fratze.
Der Tod ſelbſt fürchtet ſich zu zwein Und kriecht in ſeinen Erdenſchrein, — Aber ich pack ihn mit meiner Tatze.
Mein ſtilles Lied
Mein Herz If eine traurige Zeit, Die tonlos tickt.
Meine Mutter hatte goldene Flügel, Die keine Welt fanden.
Horcht, mich ſucht meine Mutter,
Lichte find ihre Finger und ihre Füße wandernde Träume.
Und ſüße Wetter mit blauen Wehen
Wärmen meine Schlummer
Immer in den Nächten, Deren Tage meiner Mutter Krone tragen.
Und ich trinke aus dem Monde ſtillen Wein, Wenn die Nacht einſam kommt.
Meine Lieder trugen des Sommers Bläue Und kehrten duͤſter heim.
— Ihr verhöhntet meine Lippe Und redet mit ihr.
Doch ich griff nach euren Händen, Denn meine Liebe iſt ein Kind und wollte ſpielen.
18
Und ich artete mich nach euch, Weil ich mich nach dem Menſchen ſehnte.
Arm bin ich geworden An eurer bettelnden Wohltat.
Und das Meer wird es wehklagen Gott.
Ich bin der Hieroglyph, Der unter der Schöpfung fteht
Und mein Auge Iſt der Gipfel der Zeit,
Sein Leuchten küßt Gottes Saum.
19
Ballade (Aus den ſauerländiſchen Bergen)
Er hat ſich In ein verteufeltes Weib vergafft, In fing Schweſter!
Wie ein lauerndes Katzentier Kauerte ſie vor ſeiner Tür Und leckte am Geld feiner Schwielen.
Im Wirts haus bei wildem Zechgelag Saß er und fie und zechten am Tag Mit rohen Geſellen.
Und aus dem roten, lodernden Saft Stieg er ein Riefe aus zwergenhaft Verkümmerten Geſellen.
Und ihm war, als blickte er weltenweit, Und fie ſchürte den Wahn feiner Trunkenheit Und lachte!
Und eine Krone von Felsgeſtein,
Von golddurchädertem Felsgeſtein
Wuchs ihm aus ſeinem Kopf.
Und die Säufer kreiſchten über den Spaß.
„Gott verdamm mich, ich bin der Satanas!“ Und der Wein ſprühte Feuer der Hölle.
20
Und die Stürme fauften wie Weltuntergang Und die Bäume brannten am Bergeshang, Es fang die Blutfhande ........
Ste holten ihn um die Dämmerzeit, Und die Gaſſenkinder ſchrien vor Freud Und bewarfen ihn mit Unrat.
Seitdem ſpukt es in dieſer Nacht, Und Geiſter erſcheinen in dieſer Nacht, Und die frommen Leute beten.
Sie ſchmückte mit Trauer ihren Leib, Und der reiche Schankwirt nahm fie zum Weib, Gelockt vom Sumpf ihrer Tränen.
— Und der mit der ſchweren Rotfucht im Blut Wankt um die ſtöhnende Dämmerglut Geſpenſtiſch durch die Gaſſen.
Wie leidender Frevel Wie das frevelnde Leid, Uberaltert dem läſſigen Leben.
Und er fieht die Weiber fo eigen an, Und fie fürchten fi vor dem ſtillen Mann Mit dem Totenkopf.
21
„Täubchen, das in feinem eignen Blute ſchwimmt“
Als ich alfo dieſe Worte an mich las, Erinnerte ich mich Tauſend Jahre meiner.
Eiſige Zeiten verſchollen — Leben vom Leben, Wo liegt mein Leben — Und träumt nach meinem Leben.
Ich lag allen Tälern im Schoß, Umklammerte alle Berge, Aber nie meine Seele wärmte mich.
Mein Herz iſt die tote Mutter, Und meine Augen find traurige Kinder, Die über die Lande gehen.
Täubchen, das in ſeinem eigenen Blute ſchwimmt . Ja, dieſe Worte an mich ſind heiße Tropfen, Sind mein ſtilles Auffterben
Tãubchen, das in ſeinem eigenen Blute ſchwimmt .
In den Nächten ſitzen ſieben weinende Stimmen Auf der Stufe des dunklen Tors Und harren.
22
Auf den Hecken ſitzen fie Um meine Träume Und tönen.
Und mein braunes Auge blüht
Halberſchloſſen vor meinem Fenſter Und zirpt. — Taãubchen, das in ſeinem eigenen Blute ſchwimmt“.
23
Nun ſchlummert meine Seele —
Der Sturm hat ihre Stämme gefällt, O, meine Seele war ein Wald.
Haft du mich weinen gehört?
Weil deine Augen bang geöffnet ftehn. Sterne freuen Nacht
In mein vergoſſenes Blut.
Nun ſchlummert meine Seele Zagend auf Zehen.
O, meine Seele war ein Wald, Palmen ſchatteten,
An den Aſten hing die Liebe.
Tröſte meine Seele im Schlummer.
Vergeltung
Hab hinter deinem trüben Grimm geſchmachtet, Und der Tod hat in meiner Seele genachtet Und fraß meine Lenze.
Da kam ein Augenblick,
Ein ſpielender, ſauchzender Augenblick
Und tanzte mit mir ins Leben zurück
Bis zur Grenze.
Aber das Netz meiner Augen zerriß
Vom plötzlichen Lichtglanz.
Wee ſoll ich nun die Goldzeiten auffangen! Meine Seele die Goldlüͤfte einfaugen!
Der Tod hat ſich feft an mein Leben gehangen, Ich fühle immer ſtilleres Vergeſſen Himmelszeichen künden Unheil an im Weſten, In der Sackkgaſſe brütet Frucht ein Nebelbaum Und winkt mir heimlich mit den Schattenäſten — Jal Meine Seele ſoll Beklemmnis von ihm effen! Und ein Alp auf dir liegen nachts im Traum.
25
Liebesfterne
Deine Augen harren vor meinem Leben Wie Nächte, die ſich nach Tagen ſehnen, Und der ſchwůle Traum liegt auf ihnen unergründet.
Seltſame Sterne ſtarren zur Erde, Eiſenfarbene mit Sehnſuchtsſchweifen, Mit brennenden Armen die Liebe ſuchen Und in die Kühle der Lüfte greifen.
26
Schwarze Sterne
Warum fuchft du mich in unferen Nächten, In Wolken des Haſſes auf böfen Sternen! Laß mich allein mit den Geiſtern fechten.
Sie ſchnellen vorbei auf Geyerſchwingen Aus längſt vergeſſenen Wildlandfernen. Eiswinde durch Lenzesſingen.
Und du vergißt die Gärten der Sonne
Und blickſt gebannt in die Todestrübe. Ach was irrſt du hinter meiner Not.
27
Mein Drama
Mit allen duſtſüßen Scharlachblumen Hat er mich gelockt, Keine Nacht mehr hielt ich es im engen Zimmer
Liebeskrumen ſtahl ich mir vor feinem Haus Und ſog mein Leben ihn erſehnend aus.
Es weint ein bleicher Engel leis in mir verſteckt, Ich glaube tief in meiner Seele,
Er fürchtet fi) vor mir.
Im wilden Wetter ſah ich mein Geſicht!
Ich weiß nicht wo, vielleicht im dunklen Blitz, Mein Auge ſtand wie Winternacht im Antlitz, Nie ſah ich grimmigeres Leid.
. . . . Mit allen duftfüßen Scharlachblumen Hat er mich gelockt,
Es regt ſich wieder weh in meiner Seele
Und leitet mich durch all Erinnern weit.
Sei ftill mein wilder Engel mein,
Gott weine nicht
Und ſchweige von dem Leid,
Mein Schmerzen ſoll ſich nicht entladen,
Den Faden, der mich hielt mit allen Leben, Hab ich der Welt zurückgegeben
Freiwillig.
Auf allen Denkgeſteinen wird mein Leiden brennen,
28
Um alles Blühen lohen, wie ein dunkler Bann.
Ich ſehne mich nach meiner blindverſtoßenen Ein⸗ ſamkeit,
Troſtſuchend wie mein Kind ſie zu umarmen.
Leiſe fagen —
Du nahmft dir alle Sterne Uber meinem Herzen.
Meine Gedanken kräuſeln ſich, Ich muß tanzen.
Immer tuſt du das, was mich aufſchauen läßt, Mein Leben zu müden.
Ich kann den Abend nicht mehr Uber die Hecken tragen.
Im Spiegel der Bäche Finde ich mein Bild nicht mehr.
Dem Erzengel haſt du Die ſchwebenden Augen geſtohlen;
Aber ich naſche vom Seim Ihrer Bläue.
Mein Herz geht langſam unter Ich weiß nicht wo —
Vielleicht in deiner Hand. Uberall greiſt ſie an mein Gewebe.
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Nachklänge Auf den harten Linien Meiner Siege Laß ich meine fpäte Liebe tanzen.
Herzauf, ſeelehin, Tanze, tanze meine fpäte Liebe, Und ich lächle ſchwervergeſſene Lieder.
Und mein Blut beginnt zu wittern Sich zu ſehnen Und zu flattern.
Schon vor Sternzeiten Wünſchte ich mir diefe blaue, Helle, leuchteblaue Liebe.
Deine Augen ſingen Schönheit, Duſtende
Auf den harten Linien Meiner Siege Laß ich meine fpäte Liebe tanzen.
Und ich ſchwinge fie — „Fangt auf ihr Roſenhimmel, Auf und nieder!“
31
Tanze, tanze meine fpäte Liebe, Herzab, ſeelehin —
Arglos über ſtille Tiefen Uber mein bezwungenes Leben.
32
Streiter
Und deine hellen Augen heben fid im Zorn, Schwarz, wie die lange Nacht, und morgenloſe. Des Eitlen Stimme brüllt in toter Pofe,
Wie durch ein enggebogenes Horn.
Und zwiſchen übermütigem Tauſendlachen
Der Einen und der Zweiten und der Vielen
Zerberſten Wort an Worten ſich aus Wetter⸗ ſchwielen
Wie reife Härten auf den lauten Schwachen.
Und Abendwinde, die von her und dort ſich trafen Und ſchrill in Kreiſeleile ſich befchielen, Aufpfiffen fröſtelnd über die gebohnten Dielen — Ich konnte nachts vor Träumerei nicht ſchlafen.
Und meine Seele liegt wie eine bleiche Weite Und hört das Leben mahlen in der Mühle, Es löſt ſich auf in ſchwere Kühle,
Und ballt ſich wieder heiß zum Streite.
An zwei Freunde
Ich blicke nachts in euren ftillen Stern.
Es ſchwimmen Tränen braun um meinen Mandel⸗ kern
Und meine Schellen fpielen ſüß am Kleiderrand.
Ich trage einen wilden Kork im Ohrlapp, Und Monde tätowiert auf meiner Hand. Verſteinte Käfer fallen von der Schnur ab.
Ich liebe euer glitzernd Zackenland, Und ſehne mich nach goldnem Edelpunſche, Aufglimme unſichtbar in eurem Wunſche.
Laurencis
Ich gab dir einen Namen Wie eine fromme Guirlande.
Darum will ich ihn Nur immer liebend rufen.
Du ſiehſt mich golden ſchimmern Durch mein Abendherz.
Und nicht ſo trübe Wie der Nebel es ſtaubfällig färbt.
Meine Seele fpielte Auferftehn, Wenn Augen wie ſchlafende Täler lagen.
Und ich kenne alle Engel, Denen habe ich von dir erzählt.
Es blüht die Aſter meines Mundes Mit deiner Lippen Ritterfporn.
Und ich wache vor unſerer Liebe Denn ihre Küffe ſollen Knoſpen bleiben.
35
u Chaos
Die Sterne fliehen ſchreckensbleich Vom Himmel meiner Einfamteit,
Und das ſchwarze Auge der Mitternacht Starrt näher und näher.
Ich finde mich nicht wieder In dieſer Todverlaſſenheit, Mir iſt, ich lieg von mir weltenweit Zwiſchen grauer Nacht der Urangſt.
Ich wollte, ein Schmerzen rege ſich Und ſtüͤrze mich grauſam nieder Und riß mich jäh an mich!
Und es lege eine Schöpferluft Mich wieder in meine Heimat Unter der Mutterbruſt.
Meine Mutterheimat iſt feeleleer,
Es blühen dort keine Rofen
Im warmen Odem mehr. —
. . . . Möcht einen Herzallerliebſten haben, Und mich in ſeinem Fleiſch vergraben.
36
Scheidung
Hab in einer ſternlodernden Nacht
Den Mann neben mir ums Leben gebracht. Und als ſein girrendes Blut gen Morgen rann, Blickte mich düſter fein Schickſal an.
Die Liebe
Es rauſcht durch unſeren Schlaf Ein feines Wehen, Seide,
Wie pochendes Erblühen
Uber uns beide.
Und ich werde heimwärts Von deinem Atem getragen, Durch verzauberte Märchen, Durch verſchüttete Sagen.
Und mein Dornenlächeln fpielt Mit deinen urtiefen Zügen, Und es kommen die Erden Sich an uns zu ſchmiegen.
Es rauſcht durch unſeren Schlaf Ein feines Wehen, Seide — Der weltalte Traum
Segnet uns beide.
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Der letzte Stern
Mein filbernes Blicken rieſelt durch die Leere, Nie ahnte ich, daß das Leben hohl ſei.
Auf meinem leichteſten Strahl
Gleite ich wie über Gewebe von Luft
Die Zeit rundauf, kugelab,
Unermüdlicher tanzte nie der Tanz. Schlangenkühl ſchnellt der Atem der Winde, Säulen aus blaſſen Ringen ſich auf
Und zerfallen wieder.
Was ſoll das klangloſe Luftgelüfte,
Dieſes Schwanken unter mir,
Wenn ich über die Lende der Zeit mich drehe. Eine fanfte Farbe iſt mein Bewegen
Und doch küßte nie das friſche Auftagen, Nicht das jubelnde Blühen eines Morgen mich. Es naht der fiebente Tag —
Und noch iſt das Ende nicht erſchaffen. Tropfen an Tropfen erlöſchen
Und reiben ſich wieder,
In den Tiefen taumeln die Waſſer
Und drängen hin und ſtürzen erdenab.
Wilde ſchimmernde Raufcharme
Schaumen auf und verlieren ſich,
Und wie alles drängt und ſich engt
Ins letzte Bewegen.
39
Kürzer atmet die Zeit
Im Schoß der Zeitlofen.
Hohle Lüfte ſchleichen
Und erreichen das Ende nicht Und ein Punkt wird mein Tanz In der Blindnis.
40
Hans Heinrich von Twardowsky
Ein Flamingo holte ſich als Spielzeug Den Hans Heinrich aus dem Teich.
Der Mondmann tanzt im goldenen Frack Mit ſeinen Sternen Zick und Zack
Wenn Heinrich reimt im Chapeau Claque In unſerer Tacktick.
Er dichtet bis in Herrgottsfrüh Liebens würdige Parodie Wolkenleicht und voll Eſprit.
Glücklich ſchlägt feine Zuckeruhr
Seine Augen laſſen blaue Spur, Adelige Vergißmeinnie.
4
Mein Wanderlied
Zwölf Morgenhellen weit
Verſchallt der Geiſt der Mitternacht, Und meine Lippen haben ausgedacht In ſtolzer Linie mit der Ewigkeit.
Torabwärts ſchreitet das Verfloſſene,
Indes ſich meine Seele in dem Glanz der Löfung Ihr tauſendheißes, weißes Licht bricht, Scheint mir voran ins Ungegoſſene.
Und ich wachſe über all Erinnern weit —
So ferne Muſik — und zwiſchen Kampf und Frieden Steigen meine Blicke, Pyramiden,
Und find die Ziele hinter aller Zeit.
42
Richard Dehmel
Aderlaß und Transfuſton zugleich, Blutgabe deinem Herzen geſchenkt.
Ein finfterer Pflanzer iſt er, Dunkel fällt fein Korn und brüllt auf.
Immer Zickzack durch fein Geſicht, Schwarzer Blitz.
Uber ihm ſteht der Mond doppelt vergrößert.
43
Peter Baum.
Er war des Tannenbaums Urenkel, Unter dem die Herren zu Elberfeld Gericht hielten.
Und freute ſich an jedes glitzernd Wort Und ließ ſich feierlich plündern.
Dann leuchteten die beiden Saphire In ſeinem fürſtlichen Geſicht.
Immer drängte ich, wenn ich krank lag, „Peter Baum ſoll kommen!!“
Kam er, war Weihnachten — Ein Honigkuchen wurde dann mein Herz.
Wie konnten wir uns freuen! Beide ganz egal.
Und oft bewachte er Im Seſſel ſchmauſend meinen Schlummer.
Note und gelbe Collarbonbons aß er fo gern, Oft eine ganze Schüſſel leer.
Nun ſchlummert unſer lieber Pitter Schon ewige Nächte lang.
44
„Wenn ih Euch alle glücklich erſt Im Himmel hätte —“
Sagte einmal gläubig zu den Söhnen Seine Mutter.
Nun iſt der Peter fern bewahrt Im Himmel.
Und um des Dichters Riefenleib auf dem Sol⸗ Wächſt fanft die Erde pietätvoll. [datenkirchhof
45
Paul Zech
Sing Groatvatter woar dat verwunſchene Bäuer- Aus Grimm ſinne Märchens. [fein
Der Enkelſonn iſt ein Dichter. Paul Zech ſchreibt mit der Art feine Verſe.
Man kann fie in die Hand nehmen, So hart ſind die.
Sein Vers wird zum Geſchick Und zum murrenden Volk.
Er läßt Qualm durch ſein Herz dringen, Ein düſterer Beter.
Aber ſeine Kriſtallaugen blicken Unzählige Male den Morgen der Welt.
Karl Vogt
Der iſt aus Gold — Wenn er auf die Bühne tritt, Leuchtet fie.
Seine Hand iſt ein Szepter, Wenn fie Regie führt.
Den Trauerſpielen Strindbergs Setzt er Kronen auf,
Aus den Dichtungen Ibſens Holt er die ſchwarzen Perlen all.
Er kann nur ſelbſt den König ſpielen Im Sptel.
Morgen wird er König fein — Ich freu mich.
47
Franz Werfel Ein entzückender Schulfunge iſt er, Lauter Lehrer ſpuken in ſeinem Lockenkopf.
Sein Name tft fo mutwillig: Franz Werfel.
Immer ſchrelb ich ihm Briefe, Die er mit Kleckſen beantwortet.
Aber wir lieben ihn alle Seines zarten, zärtlichen Herzens wegen.
Sein Herz hat Echo, Pocht verwundert.
Und fromm werden feine Lippen Im Gedicht.
Manches trägt einen ſtaubigen Turban. Er iſt der Enkel ſeiner eigenen Verſe.
Doch auf ſeiner Appe Iſt eine Nachtigall gemalt.
Mein Garten ſingt, Wenn er ihn verläßt.
Freude ſtreut ſeine Stimme Uber den Weg.
48
Herodes. V. Aufzug
Hinter deiner ſtolzen ewigen Wimper gingen wir
unter. Schwermütige Sterne brannten auf deinem Tide. Deine große Hand beugte das Meer Und brach ihm die Perlen vom Grund. Die Wüfte war dein Schild In der Schlacht.
An dich dürfen nur Dichter und Dichterinnen denken, Mit dir nur Könige und Königinnen trauern.
Alle Leiber der Stadt ringeln ſich
Giſtig um deinen Leib.
Deine Schweſter beſpie den Traumſtein deiner Liebe.
Du, ein beraubter Palaſt,
Judas ſchwankende Säule,
Völker bedrohend.
So arg mag nur ein Schöpfer lichtmitten Seiner Reiche zerberften.
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Meinem reinen Liebesfreund Hans Ehrenbaum-Degele Triſtan kämpfte in Feindesland,
Viel Lieder hatte er heimgeſandt Bis der Feind brach ſeinen Leib.
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Hans Ehrenbaum-Degele
Er war der Ritter in Goldrüſtung. Sein Herz ging auf fieben Rubfnen.
Darum trugen ſeine Tage Den lauteren Sonntagsglanz.
Sein Leben war ein Iprifches Gedicht, Die Kriegsballade ſein Tod.
Er ſang den Frauen Lieder In ſüßerlei Abendfarben.
Goldnelken waren ſeine Augen, Manchmal ſtand Tau in ihnen.
Einmal ſagte er zu mir:
„Ich muß früh ſterben.“
Da weinten wir beide Wie nach feinem Begräbnis.
Seitdem lagen ſeine Hände Oſt in den meinen.
Immer hab ich fie geſtreichelt, Bis ſie die Waffe ergriffen.
33
Als ich Triſtan kennen lernte —
O, Du mein Engel,
Wir ſchweben nur noch In holden Wolken.
Ich weiß nicht, ob ich lebe Oder füß geftorben bin In deinem Herzen.
Immer feiern wir Himmelfahrt Und viel, viel Schimmer.
Goldene Heiligenbilder Sind deine Augen.
Sage — wie ich bin? Überall wollen Blumen aus mir.
34
An den Gralprinzen
Wenn wir uns anſehn,
Blühn unſere Augen.
Und wie wir ſtaunen
Vor unſeren Wundern — nicht? Und alles wird fo füß.
Von Sternen find wir eingerahmt Und flüchten aus der Welt.
Ich glaube wir ſind Engel.
35
An den Prinzen Triſtan
Auf deiner blauen Seele Setzen ſich die Sterne zur Nacht.
Man muß leiſe mit dir ſein, O, du mein Tempel, Meine Gebete erſchrecken dich,
Meine Perlen werden wach Von meinem heiligen Tanz.
Es iſt nicht Tag und nicht Stern, Ich kenne die Welt nicht mehr, Nur dich — alles iſt Himmel.
56
An den Ritter aus Bold
Du biſt alles was aus Gold iſt In der großen Welt.
Ich ſuche deine Sterne Und will nicht ſchlafen.
Wir wollen uns hinter Hecken legen Uns niemehr aufrichten.
Aus unſeren Händen Süße Träumerei küſſen.
Mein Herz holt ſich Von deinem Munde Noſen.
Meine Augen lieben dich an, Du haſchſt nach ihren Faltern.
Was foll ich tun, Wenn du nicht da biſt.
Von meinen Lidern Tropft ſchwarzer Schnee,
Wenn id) tot bin, Spiele du mit meiner Seele.
57
An den Ritter
Gar keine Sonne iſt mehr Aber dein Angeſicht ſcheint.
Und die Nacht ohne Wunder, Du biſt mein Schlummer.
Dein Auge zuckt wie Sternſchnuppe — Immer wünſche ich mir etwas.
Lauter Gold iſt dein Lachen, Mein Herz tanzt in den Himmel.
Wenn eine Wolke kommt — Sterbe ich.
58
An Triſtan
Ich kann nicht ſchlafen mehr, Immer ſchüttelſt du Gold über mich.
Und eine Glocke iſt mein Ohr, Wem vertrauft du dich?
So hell wie du, Blühen die Sträucher im Himmel.
Engeln pflücken ſich dein Lächeln Und ſchenken es den Kindern.
Die ſpielen Sonne damit aa.
39
Heinrich Maria Davringhaufen
— Wie er daherkommt — Srofanifcher junger Priefter Auf grabaltem Holzgefäß.
Zwei Nachtſchatten ſchlaftrinken In feinem Mahagonkkopf, Seine Lippen küßte ein Gottmädchen hold.
— Wie er gefalten aufſtrebt — Immer tragen ſeine Schultern Ehrfürchtigen Samt.
Seine Füße ſchreiten Nur über gepflegte Wege, Stolperten nie über Geſtrüpp.
Wee er gottverhalten iſt — Aus jedem Bild, das er malt, Blickt allfarbig der Schöpfer.
Savary Le Duc
Wie Perlen hängen feine Bilder Schaumleicht an ſeidenen Wänden aufgereiht.
Mit goldenem Harz der Hagebutten Und Rofenfeime, Malt er der Prinzen Liebeskleid.
Um ihren zarten Schultern tragen ſie An Ketten — souvenir — im Medaillon, Verzückt des Freundes Paradeis.
Und ihre Hände ſpielen mit den Bächen Und feinen Blumenſtengeln Und dem ſungen Reis.
Und necken gern den Ziegenbock. Glasäuglg lauſcht die graue Gels.
Und ihre Leiber lieben ſich
Wie ſüßgeblühte Bohnenftöde, Die ſich bewegen kaum in ihrer Adellgkeit.
61
George Grosz
Manchmal ſpielen bunte Tränen In feinen äſchernen Augen.
Aber immer begegnen ihm Totenwagen, Die verſcheuchen feine Tibellen.
Er iſt abergläubig — — Ward unter einem großen Stern geboren —
Seine Schriſt regnet, Seine Zeichnung: Trüber Buchſtabe.
Wie lange im Fluß gelegen, Blähen ſeine Menſchen ſich auf.
Moftertöfe Verlorene mit Quappenmäulern Und verfaulten Seelen.
Fünf träumende Totenfahrer Sind ſeine ſilbernen Finger
Aber nirgendwo ein Licht im verirrten Märchen Und doch iſt er ein Kind,
Der Held aus dem Lederſtrumpf Mit dem Indianerftamm auf Duzfuß.
62
Sonſt haßt er alle Menſchen, Sie bringen ihm Unglück.
Aber George Grosz liebt ſein Mißgeſchick Wie einen anhänglichen Feind.
Und feine Traurigkeit iſt dionyſtſch, Schwarzer Champagner ſeine Klage.
Er iſt ein Meer mit verhängtem Mond, Sein Gott iſt nur ſcheintot.
63
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D, deine Hände
Sind meine Kinder. Alle meine Spielſachen Liegen in ihren Gruben.
Immer fpiel ich Soldaten Mit deinen Fingern, kleine Reiter, Bis ſie umfallen.
Wie ich ſie liebe Deine Bubenhände, die zwei.
67
Giſelheer dem Heiden
Ich weine — Meine Träume fallen in die Welt.
In meine Dunkelheit Wagt ſich kein Hirte.
Meine Augen zeigen nicht den Weg Wie die Sterne.
Immer bettle ich vor deiner Seele, Weißt du das?
Wär ich doch blind — Dächte dann, ich läg in deinem Leib.
Alle Blüten täte ich Zu deinem Blut.
Ich bin vlelreich, Niemandwer kann mich pflücken,
Oder meine Gaben tragen Heim.
Ich will dich ganz zart mich lehren, Schon weißt du mich zu nennen.
68
Sieh meine Farben, Schwarz und ſtern
Und mag den kühlen Tag nicht, Der hat ein Glasauge.
Alles iſt tot, Nur du und ich nicht.
Giſelheer dem Knaben
An meiner Wimper hängt ein Stern, Es iſt ſo hell Wie ſoll ich ſchlafen —
Und möchte mit dir fpielen.
— Ich habe keine Heimat — Wir fpielen König und Prinz.
70
Giſelheer dem König
Ich bin ſo allein Fänd ich den Schatten Eines ſüßen Herzens.
Oder mir jemand Einen Stern ſchenkte —
Immer fingen ihn Die Engel auf So hin und her.
Ich fürchte mich Vor der ſchwarzen Erde. Wie ſoll ich fort)
Möchte in den Wolken Begraben ſein, Uberall wo Sonne wächſt,
Liebe dich fol
Du mich auch? Sag es doch - —
7¹
Sauter Diamant
Ich hab in deinem Antlitz Meinen Sternenhimmel aus geträumt.
Alle meine bunten Koſenamen Gab ich dir,
Und legte die Hand Unter deinen Schritt,
Als ob ich dafür Ins Jenſeits käme.
Immer weint nun Vom Himmel deine Mutter,
Da ich mich ſchnitzte Aus deinem Herzfleiſche,
Und du ſo viel Liebe Launig verftießeft.
Dunkel iſt es — Es flackert nur noch Das Licht meiner Seele.
72
. Das Lied des Spielprinzen
Wie kann ich dich mehr noch lieben? Ich ſehe den Tieren und Blumen Bei der Liebe zu.
Küffen ſich zwei Sterne, . Oder bilden Wolken ein Bild — Wir fpielten es ſchon zarter.
Und deine harte Stirne, Ich kann mich ſo recht an ſie lehnen, Sitz drauf wie auf einem Giebel.
Und in deines Kinnes Grube Bau ich mir ein Raubneft — Bis — du mich aufgefreſſen haſt.
Find dann einmal morgens
Nur noch meine Kntee, Zwei gelbe Skarabäen für eines Kalſers Ning.
73
Hinter Bäumen berg ich mich Bis meine Augen ausgeregnet haben,
Und halte fie tief verſchloſſen, Daß niemand dein Bild ſchaut.
Ich ſchlang meine Arme um dich Wie Gerank.
Bin doch mit dir verwachſen, Warum reißt du mich von dirꝰ
Ich ſchenkte dir die Blüte Meines Leibes,
Alle meine Schmetterlinge Scheuchte ich in deinen Garten.
Immer ging ich durch Granaten, Sah durch dein Blut
Die Welt überall brennen Vor Liebe.
Nun aber ſchlage ich mit meiner Stirn Meine Tempelwände düfter.
74
O du falſcher Gaukler, Du ſpannteſt ein loſes Seil.
Wie kalt mir alle Grüße find, Mein Herz liegt bloß,
Mein rot Fahrzeug Pocht graufig.
Bin immer auf See Und lande nicht mehr.
75
Giſelheer dem Tiger
Über dein Geſicht ſchleichen die Dfehungeln. O, wie du biſtl
Deine Tigeraugen find füß geworden In der Sonne.
Ich trag dich immer herum Zwiſchen meinen Zähnen.
Du mein Indlanerbuch, Wild Weſt, Stourhäuptling!
Im Zwielicht ſchmachte ich Gebunden am Burbaumſtamm —
Ich kann nicht mehr. ſein Ohne das Skalpſplel.
Note Küſſe malen deine Meſſer Auf meine Bruſt —
Bis mein Haar an deinem Gürtel flattert.
7
Klein Sterbelied -
So ftilt ich bin, All Blut rinnt hin.
Wie weich umher. Nichts weiß ich mehr.
Mein Herz noch klein, Starb leis an Pein.
War blau und fromm! O Himmel, komm.
Ein tiefer Schall ° Nacht überall.
O Gott
Uberall nur kurzer Schlaf Im Menſch, im Grün, im Kelch der Winde. Jeder kehrt in ſein totes Herz heim.
Ich wollt die Welt wär’ noch ein Kind — Und wüßte mir vom erſten Atem zu erzählen.
Früher war eine große Frömmigkeit am Himmel, Gaben ſich die Sterne die Bibel zu leſen. Könnte ich einmal Gottes Hand faſſen
Oder den Mond an ſeinem Finger ſehn.
O Gott, o Gott, wie weit bin ich von dir!
78
Höre
Ich raube in den Nächten Die Roſen deines Mundes, Daß keine Weibin Trinken findet.
Die dich umarmt, Stiehlt mir von meinen Schauern, Die ich um deine Glieder malte.
Ich bin dein Wegrand. Die dich ſtreiſt, Stürzt ab.
Fühlſt du mein Lebtum
Uberall - Wie ferner Saum?
79
Wo mag der Tod mein Herz laffen?
"Immer tragen wir Herz vom Herzen uns zu.
Pochende Nacht Hält unſere Schwellen vereint.
Wo mag der Tod mein Herz laffen? In einem Brunnen, der fremd rauſcht —
In einem Garten, der ſteinern ſteht - Er wird es in einen reißenden Fluß werfen.
Mir bangt vor der Nacht, Daran kein Stern hängt.
Denn unzählige Sterne meines Herzens Vergolden deinen Blutſpiegel.
Liebe ft aus unſerer Liebe vielfältig erblüht. Wo mag der Tod mein Herz laffen?
80
Ich bin traurig
Deine Küffe dunkeln, auf meinem Mund. Du haſt mich nicht mehr lieb.
Und wie du kamſt — | Blau vor Paradies,
Um deinen füßeften Brunnen Gaukelte mein Herz.
Nun will ich es ſchminken, Wie die Freudenmädchen Die welke Rofe ihrer Lende röten,
Unſere Augen find halb geſchloſſen, Wie ſterbende Himmel
Alt iſt der Mond geworden. Die Nacht wird nicht mehr wach.
Du erinnerſt dich meiner kaum. Wo ſoll ich mit meinem Herzen hin?
8¹
Palmenlied
O du Süßgeliebter, . Dein Angeſicht iſt mein Palmengarten, Deine Augen ſind ſchimmernde Nile Läſſig um meinen Tanz.
In deinem Angeſicht ſind verzaubert Alle die Bilder meines Blutes, Alle die Nächte, die ſich in mir geſpiegelt haben.
Wenn deine Tippen ſich öffnen Verraten fie meine Seligteiten.
Immer dieſes Pochen nach dir — Und hatte ſchon geopfert meine Seele.
Du mußt mich inbrünſtig küſſen, Süßerlet Herzfpiel; Wir wollen uns im Himmel verfteden.
O du Süßgeliebter.
8²
Von weit
Dein Herz iſt wie die Nacht fo hell,
Ich kann es ſehn
— Dun denkſt an mich — es bleiben alle Sterne ſtehn.
Und wie der Mond von Gold dein Leib
Dahin ſo ſchnell
Von weit er ſcheint.
83
Alice Trübner
Ihr Angeſicht war aus Mondſtein Darum mußte ſie immer träumen.
Durch die Seide ihrer Ebenholzhaare Schimmerte Tauſendundeinenacht.
Ihre Augen weihfagten. Ein goldenes Böbelblatt war ihr Herz.
Sie thronte einen Himmel hoch Uber die Freunde.
O fie war eine Sternin — Schimmer ſtreute ſie von ſich.
Eine Herzogin war ſie Und krönte den armfeligften Gaſt.
Manchmal aber kam ſie vom Weſt: Ein Wetter in Blitzfarben,
Die find gefangen über Burgzacken Im harten Rahmen. -
Ihre Bilder viele, Pietätvolle, bunte Briefe,
84
Manche aufbewahrt unter Glas An den Wänden.
Aber auch Gläſer und Gräſer Malte Alice Zrübner.
Irgendwo zwiſchen ſitzt ein Schelm, Ein altmodiſch dicker Puppenporzellankopf.
Oder fie malte huldvoll die Köchin Als Frau Lucullus gelaſſen im Lehnſtuhl.
Verwandelte ſtrotzende Früchte in Roſen Auf weißem Damaſt.
O, ſie war eine Zauberin.
85
Dem Barbaren
. Deine rauhen Blutstropfen Süßen auf meiner Haut.
Nenne meine Augen nicht Verräterinnen, Da ſie deine Himmel umſchweben,
Ich lehne lächelnd an deiner Nacht Und lehre deine Sterne fpielen.
Und trete ſingend durch das roſtige Tor Deiner Seligkeit.
Ich liebe dich und nahe weiß Und verklärt auf Wallfahrtzehen.
Trage dein hochmütiges Herz, Den reinen Kelch den Engeln entgegen.
Ich liebe dich wie nach dem Tode Und meine Seele liegt über dich gebreitet —
Meine Seele fing alle Leiden auf, Dich erſchüttern ihre ſchmerzlichen Bilder.
Aber fo viele Rofen blühen Die ich dir ſchenken will,
8⁵
O, ich möchte dir alle Gärten bringen In einem Kranz.
Immer denke ich an dich Bis die Wolken finken,
Wir wollen uns küſſen — Nichtꝰ
87
Dem Barbaren
Ich liege in den Nächten Auf deinem Angeſicht.
Auf deines Leibes Steppe Pflanze ich Zedern und Mandelbäume.
Ich wühle in deiner Bruſt unermüdlich Nach den goldenen Freuden Pharaos.
Aber deine Lippen find ſchwer, Meine Wunder erlöfen fie nicht.
Hebe doch deine Schneehimmel Von meiner Seele —
Deine diamantnen Träume Schneiden meine Adern auf.
Ich bin Joſeph und trage einen ſüßen Gürtel Um meine bunte Haut.
Dich beglückt das erſchrockene Nauſchen Meiner Muſcheln.
Aber dein Herz läßt keine Meere mehr ein. O dul N
88
Wilhelm Schmidtbonn
Er iſt der Dichter, dem der Schlüſſel Zur Steinzeit vermacht wurde.
Adam den Urkafer trägt er, Ein Skarabãus im Ring.
Wilhelm Schmidtbonn erzählt vom Paradies, Reißt den verlogenen Nebel vom Baum: Stolz blüht die Dolde der Erkenntnis.
Sein markiſches Geſicht frrömt immer Zwei dämmerblaue Kräfte aus.
Er iſt aus Laub und Rinde, Morgenfrühe und Kentauerblut.
Wie oſt ſchon ließ er ſich zur Ader Seine Werke zu tränken. Sein neuſtes Versſpiel ſtiert aus Einauge.
Willy Steger
Milly Steger iſt eine Bändigerin, Haut Löwen und Panther in Stein.
Vor dem Spielhaus in Elberfeld Stehen ihre Großgeſtalten;
Böſe Tolpatſche, ernſte Hännesken, Clowne, die mit blutenden Seelen wehen.
Aber auch Brunnen, verſchwiegene Weibsmopſe ö Zwingt Milly rätſelhaſt nieder.
Manchmal ſchnitzt die Gulliverin . Aus Zündhoͤlzchen Adam und hinterrücks fein Weib.
Dann lacht ſie wie ein Apfel, Im ſtahlblauen Auge figt der Schalk.
Milly Steger iſt eine Büffelin an Wurfkraſt, Freut ſie ſich auch an dem blühenden Kern der Bůſche.
Hans Adalbert von Maltzahn
Der Freiherr mußte Vicemallk fein In meiner bunten Thebenftadt, Als ich nach Rußland zog,
Prinz Saſcha zu befrein.
Dem Herzog von Leipzig
Deine Augen find geftorben; Du warft fo lange auf dem Meer.
Aber auch ich bin Ohne Strand.
Meine Stirne iſt aus Muſchel. Tang und Seeſtern hängen an mir.
Einmal möchte ich mit meiner ziellofen Hand Über dein Geſicht faſſen,
Oder eine Eidechſe über deine Lippen Liebentlang mich kräuſeln.
Weihrauch ſtroͤmt aus deiner Haut Und ich will dich feiern,
Dir bringen meine Gärten, Überall blüht mein Herz bunt auf.
Aber deine Brauen find Unwetter...
In der Nacht ſchweb ich ruhlos am Himmel Und werde nicht dunkel vom Schlaf.
Um mein Herz ſchwirren Träume Und wollen Süßigkeit.
Ich habe lauter Zacken an den Randen, Nur du trinkſt Gold unverſehrt.
Ich bin ein Stern In der blauen Wolke deines Angeſichts.
Wenn mein Glanz in deinem Auge fpielt, Sind wir eine Welt.
Und würden entſchlummern verzückt — Aber deine Brauen find Unwetter.
95
Leo Keſtenberg
Seine Hände zaubern Muftk durch ftille Zimmer. Zwiſchen uns figt dann der ehrwürdige Mond Goldbehäbig im Lehnſtuhl
Und verſöhnt uns mit der Welt.
Wenn Leo Keſtenberg Flügel ſpielt, Iſt er ein heiliger Mann; Erweckt Liſzt aus ſteinernem Schlaf, Bach feiert Himmelfahrt.
Mit Schumann wird Leo ein Kind Und Schwärmer am Süßfeuer Chopins.
Der dunkle Flügel verwandelt ſich aber zur Orgel Wenn Keſtenberg eigene Rofen ſpielt.
Sein ſchweres Ebenholzherz frommütig aufhebt Und weicher Muſikregen uns durchrieſelt.
Traum
Der Schlaf entführte mich in deine Gärten,
In deinen Traum — die Nacht war wolkenſchwarz umwunden —
Wie duͤſtere Erden ſtarrten deine Augenrunden,
Und deine Blicke waren Härten —
Und zwiſchen uns lag eine weite, ſteife Tonloſe Ebene
Und meine Sehnſucht, hingegebene,
Küßt deinen Mund, die blaſſen Lippenſtreife.
Weltſchmerz
Ich, der brennende Wüſtenwind, Erkaltete und nahm Geſtalt an.
Wo iſt die Sonne, die mich auflöfen kann, Oder der Blitz, der mich zerſchmettern kann!
Blick nun, ein ſteinernes Sphinxhaupt, Zürnend zu allen Himmeln auf.
Syrinxliedchen
Die Palmenblätter ſchnellen wie Viperzungen In die Kelche der roten Gladiolen, . Und die Mondſichel lacht
Wie ein Fauns aug verſtohlen.
Die Welt hält das Leben umſchlungen Im Strahl des Saturn.
Und durch das Träumen der Nacht Sprüht es purpurn.
Für! Wollen uns im Schilfrohr
Mit Binſen aneinanderbinden
Und mit der Morgenröte Frühlicht Den Süden unſerer Liebe ergründen.
Unfer Liebeslied
Unter der Wehmut der Eſche Lächeln die Augen meiner Freundin.
Und ich muß weinen Uberall wo Roſen aufblühn.
Wir hören beide unſeren Namen nicht — Immer Nachtwandlerinnen zwiſchen den bunten Jünglingen. Meine Freundin gaukelt mit dem Mond, Unſerm Sternenfpiel folgen Erſchrockene nach.
O, unſere Schwärmerei berauſcht Die Straßen und Plätze der Stadt.
Alle Träume lauſchen gebannt hinter den Hecken Kann nicht Morgen werden —
Und die ſeidige Nacht uns beiden Tauſendmalimmer um den Hals geſchlungen.
Wie ich mich drehen muß!
Und meine Freundin küßt taumelnd den Rofigtau Unter dem Düſter des Trauerbaums.
100
Du machſt mich traurig — hör
Bin fo müde,
Alle Nächte trag ich auf dem Rüden Auch deine Nacht,
Die du fo ſchwer umträumſt.
Haft du mich liebꝰ Ich blies dir arge Wolten o von der Stirn Und tat ihr blau.
Was tuft du mir in meiner Todes ſtundeꝰ
10¹
Mein Sterbelied
Die Nacht iſt weich von Rofenfanftmut , Komm, gib mir deine beiden Hände her, Mein Herz pocht fpät
Und durch mein Blut
Wandert die letzte Nacht und geht
Und naht ſo weit und ewig wie ein Meer.
Und haſt du mich ſo ſehr geliebt, So nimm das Jubelndſte von deinem Tag, Gib mir das Gold, das keine Wolke trübt.
Es wallen Harmonten aus der Nachtlandferne — Ich ziehe ein
Und werde Leben ſein
Und Leben mich an Leben ſchmiegen,
Wenn über mir Paradiesſterne
Ihre erſten Menſchen wiegen.
10²
Lenzleid
Daß du Lenz gefühlt haſt
In meiner Winterhülle,
Daß du den Lenz erkannt haſt
In meiner Todſtille —
Nicht wahr, das iſt Gram
Winter ſein, eh der Sommer kam, Eh der Lenz ſich ausgejauchzt hat.
O, dul ſchenk mir deinen goldenen Tag Von deines Blutes blühendem Not. Meine Seele friert vor Hunger,
Iſt ſatt vom Reif —
O, dul Gieße dein Lenzblut
Durch meine Starre,
Durch meinen Scheintod.
Sieh, ich harre
Schon Ewogkeiten auf dich.
103
Weltflucht
Ich will in das Grenzenloſe
Zu mir zurück,
Schon blüht die Herbſtzeitloſe Meiner Seele,
Vielleicht iſt s ſchon zu fpät zurück. O, ich fterbe unter euch!
Da ihr mich erſtickt mit euch. Fäden möchte ich um mich ziehen Wirrwarr endend!
Beirrend,
Euch verwirrend,
Zu entfliehn
Meinwärts.
104
Ab ſchied
Aber du kamſt nie mit dem Abend — Ich ſaß im Sternenmantel.
... Wenn es an mein Haus pochte, War es mein eigenes Herz.
Das hängt nun an jedem Türpfoſten, Auch an deiner Tür,
Zwiſchen Farren verloͤſchende Feuerroſe Im Braun der Guirlande.
Ich färbte dir den Himmel brombeer Mit meinem Herzblut.
Aber du kamſt nie mit dem Abend — . Ich ſtand in goldenen Schuhen.
105
Ludwig Hardt
Seiner Heimat Erde ruht An keiner Bergwand aus,
Ein weiter, weiter Schemel — Friesland.
Ungehemmt wettern die Wetter Und die ſtürmenden Gemüter dort.
Im lüͤttchen Städtchen Weener Hockt Ludwigs zottigſteinern Elternneſt.
Da einmal flog er mit den Herbſtvögeln Fort über die Ems.
Von hoher Vogelreinheit inbrünſtig Ohne Makel klopft fein Herz.
Und geharniſcht iſt ſeine Naſe, Seidene Spenderinnen die feinen Lippen,
Wenn fle die Verſe Marla Rainer Rilkes gaſtlich reichen.
Werden Ritterfporn In Liliencrons Balladengefängen,
106
Flattern wie Möwen auf, Lauter „Emmas“, wenn er entzüdend
Uns mit Morgenſterns — frei nach Hardt — „kosmiſcher Meſchuggas“ beſchenkt
O, Ludwig Hardt liebt ſeine Dichter, Die er ſpricht.
Und vermählt ſich mit den Gedichten, Die er ſchlicht zu ſagen verſteht.
Nie deklamiert er! Das iſt es eben.
107
O ich möcht aus der Welt
Dann weinſt du um mich. Blutbuchen ſchüren Meine Träume kriegeriſch.
Durch finſter Geſtrüpp Muß ich Und Gräben und Waſſer.
Immer ſchlägt wilde Welle An mein Herz; Innerer Feind.
O ich mochte aus der Welt! Aber auch fern von ihr Irr ich ein Flackerlicht
Um Gottes Grab.
Franz Marc
Der blaue Reiter iſt gefallen, ein Großbibliſcher, an dem der Duft Edens hing. Über die Landfchaft warf er einen blauen Schatten. Er war der, welcher die Tiere noch reden hoͤrte, und er verklärte ihreunver⸗ ſtandenen Seelen. Immer erinnerte mich der blaue Reiter aus dem Kriege daran: es genügt nicht alleine, zu den Menſchen gütig zu fein und was du nament⸗ lich an den Pferden, da fie unbeſchreiblich auf dem Schlachtfeld leiden müſſen, gutes tuſt, tuſt du mir.
Er iſt gefallen. Seinen Rieſenkörper tragen große Engel zu Gott, der hält ſeine blaue Seele, eine leuchtende Fahne, in ſeiner Hand. Ich denke an eine Geſchichte im Talmud, die mir ein Prieſter erzählte: wie Gott mit den Menſchen vor dem zerſtörten Tempel ſtand und weinte. Denn wo der blaue Reiter ging, ſchenkte er Himmel. So viele Vögel fliegen durch die Nacht, ſie können noch Wind und Atem ſpielen, aber wir wiſſen nichts mehr hier unten davon, wir können uns nur noch zerhacken oder gleichgültig aneinander vorbeigehen. In diefer Nüchternheit erhebt ſich drohend eine unermeßliche Blutmühle, und wir Völker alle werden bald zermahlen ſein. Schreiten immerfort über wartende Erde. Der blaue Reiter iſt ange⸗ langt, er war noch zu jung zu ſterben.
109
Nie fah ich irgendeinen Maler gotternfter und ſanſter malen wie ihn. „Zitronenochſen ! und ‚Feuers büffel” nannte er ſeine Tiere, und auf feiner Schläfe ging ein Stern auf. Aber auch die Tiere der Wild⸗ nis begannen pflanzlich zu werden in ſeiner tropiſchen Hand. Tigerinnen verzauberte er zu Anemonen, Leoparden legte er das Geſchmeide der Levkoſe um, er ſprach vom reinen Totſchlag, wenn auf ſeinem Bild ſich der Panther die Gazell vom Fels holte. Er fühlte wie der junge Erzvater in der Böbelzeit, ein herrlicher Jakob er, der Fürft von Kana. Um ſeine Schultern ſchlug er wild das Dickicht, fein ſchönes Angeſicht fpiegelte er im Quell und fein Wunderherz trug er oftmals in Fell gehüllt, wie ein ſchlafendes Knäblein heim, über die Wieſen, wenn es müde war.
Das war alles vor dem Krieg.
Franz Marc, der blaue Reiter vom Ried,
Stieg auf ſein Kriegspferd.
Ritt über Benediktbeuern herab nach Unterbapern,
Neben ihm ſein beſonnener, treuer Nubier
Hält ihm die Waffe.
Aber um feinen Hals trägt er mein filbergeprägtes
Bild
Und den todverhütenden Stein ſeines teuren
Weibes
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Durch die Straßen von München hebt er fein bibliſches Haupt
Im hellen Rahmen des Himmels.
Troſt im ſtillenden Mandelauge,
Donner ſein Herz.
Hinter ihm und zur Seite viele, viele Soldaten.
11
Gebet
Ich ſuche allerlanden eine Stadt,
Die einen Engel vor der Pforte hat.
Ich trage ſeinen großen Flügel
Gebrochen ſchwer am Schulterblatt
Und in der Stirne feinen Stern als Siegel.
Und wandle immer in die Nacht Ich habe Liebe in die Welt gebracht — Daß blau zu blühen jedes Herz vermag, Und hab ein Leben müde mich gewacht, In Gott gehüllt den dunklen Atemſchlag.
O Gott, ſchließ um mich deinen Mantel feſt, Ich weiß, ich bin im Kugelglas der Reft, Und wenn der letzte Menſch die Welt vergleßt, Du mich nicht wieder aus der Allmacht läßt Und ſich ein neuer Erdball um mich ſchließt.
112
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Inhalt
II. Band Die Kuppel Mein Lied. Georg Trakl Georg Trakl. Paul Leppin
Dem Daniel Jeſus paul Dem König von Böhmen
„Täubchen, das in feinem eignen Blute Root
Nun ſchlummert meine Seele . Vergeltung . Liebesſterne. .
Schwarze Sterne.
Mein Drama
Leiſe ſagen —
Nachklaͤnge
114
Streiter. —ͤ—— 33 An zwei greunde. —— 334 Laurenc iss. 35
Dan len rn... 0
Der letzte Stern — 39 Hans Heinrich von deem — 11 Mein Wanderlid. . . — 142
Richard Dehmel 43 Peter Baum (4 Baul 36. . 46 Karl Voge .. 47 Franz Werfel... 438 Herodes. V. Aufzug. 49
Meinem reinen Liebesfreund Hans Ehrenbaum-Degele
Hans Ehrenbaum⸗De gelle 33 Als ich Triſtan kennen lernte 54 An den Gralpringmen. 55 An den Prinzen Triſta n. 3506 An den Ritter aus Gold 357 An den Ritter 38
An Triſtan — 09 Heinrich Marta Davrnghauſen ä —ͤ—ͤ— 60 Savary Le Due — 61
George Grog. 62 Theodor Daͤub leer.. 64
115
Gottfried Benn
Seite O, deine Hände 667 Giſelheer dem Helden 68
Giſelheer dem Knaben 70 Giſelheer dem Könning. 71 Lauter Diamant 72 Das Lied des Splelprinzenn. 73 Hinter Bäumen berg ich mig... 74 Giſelheer dem Tiger 76 Klein Sterbelleedz .. 77
O Got. 778 Höre 2 . 79 Wo mag der Tod mein Herz fen 80 Ich bin traurig . . 81 Palmenlledz . 82 Von wett 83
Alice Trüb ner. 84 Dem Barbaren 806 Dem Barbaren 88 Wilhelm Schmidtbonnn . 89 Milly Steger. 90
Hans Adalbert von Maltzahn
An Hans Adalberrt ... 93 Dem Herzog von Leipzig 94 Aber deine Brauen find Unwetter. 95 Leo Keſtenben g 96 Weltſch mera 98
116
Syrinxliedchen Unſer Liebeslled.
Du machſt mich traurig — Wr.
Mein Sterbelted
Lenzleid
Weltflucht.
Abſchled
Ludwig Hard O ich möcht aus der Welt Franz Mare .
Gebet
117
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bea, GOOgle
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